Biographie von Brice Pauset
Brice Pauset wurde 1965 in Besançon (Frankreich) geboren. Er erhielt Klavierunterricht ab dem fünften und Geigenunterricht ab dem achten Lebensjahr. 1975 - 1984 folgte das Studium am Conservatoire National de Région de Besançon (Klavier, Violine, Cembalo, Kammermusik, Pädagogik, Harmonie, Kontrapunkt). Anschließend von 1984 - 1986 studierte er Komposition (Elektronische Musik) am Conservatoire national de région de Boulogne-Billancourt bei Michel Zbar. Parallel dazu absolvierte er ein Philosophiestudium in Paris (Sorbonne) und Leuwen (Katholische Universität) und erhielt 1986 seine Promotion in Philosophie (cum laude). Privatkurse bei Gustav Leonhardt in Amsterdam (Cembalo) und weiterführende Kompositionsstudium bei Michel Philippot und Gérard Grisey, Franco Donatoni, Alain Bancquart sowie Meisterkurse bei Henri Dutilleux, Brian Ferneyhough und Michael Jarrell ergänzten sein Studium. Es folgte ein einjähriger Kurs für Komposition und Informatik am IRCAM (Paris), wo er gleichzeitig eine künstlerische Beratertätigkeit ausführte. Des Weiteren bekam er Lehraufträge für Klavier- und Cembalobegleitung, Interpretation für Sänger und Analyse am Conservatoire Besançon und für Analyse und Ästhetik (IRCAM-CNRS, Nationalzentrum für wissenschaftliche Forschung) in Paris. Auf zahlreichen Festivals wie u.a. Agora (Paris), Ars Musica (Brüssel), Musik-Biennale Berlin, Darmstädter Ferienkurse, Donaueschinger Musiktage, Musica (Strasbourg), Musica Viva München, Musikprotokoll Graz, Présence (Paris), Stockholm New Music Festival und Wien Modern ist er stets ein gern gesehener Gast. Seine Konzerttätigkeit als Cembalist und Pianist erstreckt sich auf Solo-Recitals u.a. im Konzerthaus Wien, Concertgebouw Amsterdam, sowie regelmäßig mit dem ensemble recherche. Aufgeführt wurden seine Kompositionen u.a. bereits vom Arditti String Quartett, Ensemble Intercontemporain, Ensemble Modern, Ensemble Recherche, Freiburger Barockorchester, von Andreas Staier, Sylvain Cambreling und Jonathan Nott. Seit 2008 ist er Professor für Komposition an der Hochschule für Musik Freiburg.
Die Musik von Brice Pauset
Die Musik von Brice Pauset lässt sich kaum in einem Wort zusammenfassen. Zu groß ist sein Wissensdurst, den er aus den vielfältigsten Quellen zu stillen versucht.
Die erste Assoziation zu Brice Pauset ist oftmals eine, die in enger Verbindung mit Elektronischer Musik steht. Betrachtet man seinen Werdegang, so überrascht dies auch keinesfalls - jedoch beleuchtet diese Seite nur einen Aspekt im vielfältigen Schaffen des Komponisten: Der Notentext stellt bei genauer Betrachtung ein Dokument minuziös und sorgfältig geplanter Abläufe dar, das den Interpreten oftmals nur wenig Raum für künstlerische Freiheiten gibt. Zwar entspricht das technische Denken der elektronischen Komposition, jedoch distanziert er sich von der Vorstellung einer Optimierung an Schnelligkeit und Effizienz der Musik, vielmehr fasziniert ihn die Präzision und Detailtreue, die damit geschaffen werden kann. Peter Szendy beschreibt, dass Pauset sich mit Vorliebe zu etwas hinreißen lässt, "etwas zu tun, was andere als Zeitverschwendung betrachten würden".
Pausets Blick schweift stets in die Vergangenheit und damit in die Geschichte, die ein wichtiger Teil seines kompositorischen Denkens ausmacht. So beschreibt er: "Man kann eine komplexe Transpositionstechnik als Instrument erklären. Sie ist lebendiger als eine bloße „toolbox“, ein pures Werkzeug. Die konkreten Instrumente kann man dagegen auch als Partitur beschreiben. Ein Klavier etwa hat eine komplexe technische Gliederung mit relativ vielen kulturellen Spuren. Es ist wichtig, die Instrumente auch als flexible Spurenträger einer langen Geschichte zu interpretieren.“ So verwundert es auch nicht, wenn man erfährt, dass er sich bereits mit Hingabe und enormem Zeitaufwand dem Bau eines Cembalos nach historischer Vorlage gewidmet hat, um sich so intensiv allein mit der historischen Bedeutung dieses Instruments auseinanderzusetzen.
Als Philosoph interessiert er sich außerdem für Literatur und liest, was ihm geradezu in die Hände fällt. Vielleicht bildet das geschriebene Wort die Grundlage für eine düstere Facette von Pauset, denn oftmals strahlen seine Werke einen gewissen Pessimismus und ein Maß an Misstrauen aus. Sein Augenmerk liegt auf dem Außergewöhnlichen und so kommt es vor, dass er seine Musik gar als "Musik aus Negativität und Paradoxie: dünne Spuren der Gegenwart des Verschwundenen, unmittelbarer Eintritt in das Unzeitliche, Tod und Trauen, körperlos, bewusstlos“ beschreibt.