2011
INTERNATIONALE WEINGARTENER TAGE FÜR NEUE MUSIK

Interpreten 2010

Namhafte, renommierte, auf allen Foren für Zeitgenössische Musik präsente Interpreten konnten für die diesjährigen Musiktage gewonnen werden.

Salome Kammer (Sopran)
Salome Kammers Universaltalent sprengt Grenzen. Ihr Repertoire kann nicht in Sparten und Fächer eingeordnet werden. Es umfasst Avantgarde-Gesang und virtuose Stimmexperimente, klassisches Melodrama, Liederabende, Dada-Lyrik, Jazzgesang und Broadwaysongs. Ihre Bühnenpräsenz als singende Schauspielerin oder schauspielende Sängerin fasziniert bei musikalischem Kabarett ebenso wie in dramatischen Bühnenrollen des Sprechtheaters. Zahlreiche Werke der neuen Musik hat Salome Kammer in den Konzertsälen der Welt uraufgeführt. Komponisten im In- und Ausland, darunter Helmut Oehring, Wolfgang Rihm, Georges Aperghis, Bernhard Lang, Luca Lombardi oder Jörg Widmann schreiben Stücke für die facettenreiche Künstlerin. Salome Kammer studierte von 1977-1984 Musik mit Hauptfach Violoncello und wurde 1983 als Schauspielerin von den Städtischen Bühnen in Heidelberg engagiert, wo sie fünf Jahre lang in zahlreichen Rollen auftrat. Seit 1990 ist sie in Konzerten für Neue Musik als Vokalsolistin zu hören. Als herausragende Interpretin der Musik Kurt Weills war Salome Kammer bei vielen Festivals zu Gast. In die laufende Saison ist Salome Kammer mit Schönbergs Pierrot Lunaire gestartet: Zusammen mit dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik führte sie das Werk beim Kunstfest Weimar auf. Zahlreiche Rundfunk- und CD-Produktionen dokumentieren Salome Kammers Ausnahmetalent. Derzeit unterrichtet sie Theorie und Praxis der Aufführung Neuer Musik an der Hochschule für Musik und Theater München. Erst kürzlich hat sie an der Berliner Staatsoper sieben Mal das Monodram "Exercices du Silence" von Brice Pauset aufgeführt und erhielt dafür begeisterte Kritiken. Dieses Werk, das ihr Pauset widmete, wird auch in Weingarten aufgeführt.

Kairos Quartett
Das in Berlin ansässige Kairos Quartett widmet sich seit seiner Gründung 1996 vornehmlich der Musik des ausgehenden 20. und des 21. Jahrhunderts. Richtungweisende Kompositionen nach 1950 und Uraufführungen stehen im Mittelpunkt; hierzu gehören die Traditionslinien europäischer Musik ebenso wie die anderer Kulturen (etwa Fernost) oder die Hinzuziehung von Medien (Elektronik, Video, Sprache, Szene). Die Auswahl von Stücken und Zusammenstellung von Programmen reicht beim Kairos Quartett bis hin zur Kuratorentätigkeit, z.B. bei seiner Gesprächs–Konzertreihe „Fünf Fenster auf Musik für Streichquartett seit 1950“, die 2001/02 in der Kulturbrauerei Berlin mit einigen namhaften Komponisten (u.a. Ferneyhough, Lachenmann und Lucier) stattfand.
Kommunikative Offenheit ist Programm: Es wird der enge Kontakt zu Komponisten entwickelt und gepflegt wie Georg Friedrich Haas (A), Julio Estrada (Mexiko), Giorgio Netti (I), Sergej Newski (D/RUS), Enno Poppe (D) und Liza Lim (Austr). Durch Gesprächskonzerte und Vermittlungskonzepte pflegt das Quartett die Nähe zum Publikum und zu Musikstudierenden. Workshops, Meisterkurse und Seminare zur Neuen Musik und ihren Spieltechniken oder anderen Themen präsentierte das Kairos Quartett bisher an Musikhochschulen und im Rahmen von Festivals in Deutschland, Mexiko, Österreich, Norwegen, Polen und der Schweiz. Seine zahlreichen Auftritte führten das Kairos Quartett mehrfach zu den Internationalen Ferienkursen in Darmstadt, sowie zu renommierten Festivals wie Eclat, Wien Modern, Huddersfield, Warschauer Herbst, Cervantino und Festival d‘Automne. Neben dem deutschsprachigen Raum konzertierte das Kairos Quartett in Belgien, Dänemark, Frankreich, Finnland, Großbritannien, Italien, Mexiko, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Russland, der Schweiz, Slowenien und in der Ukraine. Auch bei Veranstaltern wie den Berliner Festwochen und den Salzburger Festspielen war das Quartett zu erleben.
Mit dem Kairos Quartett erhielt 2001 erstmals ein Ensemble das Stipendium der Akademie Schloß Solitude (Stuttgart). Konzertreisen ins Ausland wurden mehrfach von der Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert. Die CDs des Kairos Quartett wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik. 2009 erhielt das Kairos Quartett eine Strukturförderung durch den Senat von Berlin.

Wolfgang Bender (Violine), Stefan Häussler (Violine), Simone Heiligendorff (Viola), Claudius von Wrochem (Violoncello)

Claudius von Wrochem (Violoncello)
Claudius von Wrochem ist der Sohn einer Textildesignerin/Hochschuldozentin und eines Pianisten und Komponisten. Er studierte Violoncello bei Peter Mann in Berlin und George Neikrug in Boston/USA. Meisterkurse besuchte er bei Neikrug, Uzi Wiesel und Werner Thomas. Die Kammermusik stand von Anfang an im Mittelpunkt seiner Tätigkeit, die von der Barockmusik bis zur Gegenwart reicht. Orchesterpraxis in führender Position erwarb von Wrochem in verschiedenen Kammerorchestern. Bei Produktionen von Bergs Wozzeck und Mozarts Don Giovanni war er als 1. Solocellist engagiert. Im Kairos Quartett fungiert er seit Gründung des Ensembles als einer der Geschäftsführer. Er war Mitglied der auf Neue Musik spezialisierten Ensembles work in progress Berlin und UnitedBerlin. Mit letzterem Ensemble nahm er etliche CDs auf, unternahm Konzertreisen bis nach Brasilien und führte nahezu sämtliche Ensemblewerke der Neuen Wiener Schule auf. Claudius von Wrochem war an über 100 Uraufführungen von Solo-, Kammermusik- und Ensemblewerken beteiligt. Weitere Tätigkeitsfelder sind die Freie Improvisation, die historisierende Aufführungspraxis und die Instrumentalpädagogik. 8/2009-9/2010 leitete er als Künstlerischer Geschäftsführer die Startphase des IZZM in Kärnten.

Benjamin Kobler (Klavier)
Benjamin Kobler wurde 1973 in München geboren und erhielt im Alter von 5 Jahren den ersten Klavierunterricht, später lernte er auch Cello und bekam Kompositions- und Dirigierstunden. Zu seinen prägendsten und einflussreichsten Klavierlehrern zählen Carmen Piazzini und Pierre-Laurent Aimard. Neben dem Konzertexamen im Fach Klavier studierte er Neue Kammermusik mit Peter Eötvös. Zu den Höhepunkten seiner bisherigen Konzertlaufbahn gehören Auftritte in der Carnegie Hall, New York und als Solist mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle. 1995 begann er mit dem Ensemble Modern zusammenzuarbeiten, seit 2007 ist er allerdings festes Mitglied bei der musikFabrik. Seit 2003 lehrt er als Dozent der Klavier-Klasse bei den Stockhausen-Kursen in Kürten. Die Entscheidung für die Neue Musik fiel ihm nach Wanderjahren durch den Jazz, die Klassik und die Oper recht leicht, denn ihn treibt bis heute die Frage um, wie es möglich ist, dass Musik Menschen emotional berührt. Deshalb versucht er in enger Zusammenarbeit mit den Komponisten ein Werk stets in seiner Ganzheit zu betrachten.

Sylvia Schmückle-Wagner (Klarinette)
Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik Freiburg i.Br. bei Prof. Dieter Klöcker. Während des Studiums Meisterkurse bei J.Michaels, H.Deinzer, G. Depayer und G. Deplus.
Preisträgerin beim Bundeshochschulwettbewerb für Bläsertrio. Praktikum beim Sinfonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden (Ltg.: Michael Gielen).
Seit 1992 Solo-Baßklarinettistin der Staatskapelle Berlin (Ltg.: Daniel Barenboim).
Von 1995-2006 Lehrauftrag an der Universität der Künste Berlin. Seit 2006 Lehrauftrag am C.P.E. Bach - Musikgymnasium über die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Seit 2010 Lehraufträge an den Musikhochschulen in Rostock und Frankfurt a.M. für Atemarbeit und Bassklarinette.
Verschiedene Solo- und Kammermusikauftritte u.a. an der Staatsoper Unter den Linden und den Berliner Festwochen

Jan Gerdes (Klavier)
Der Pianist Jan Gerdes gehört zu den interessantesten und vielseitigsten Musikern seiner Generation. Als Pianist zwischen Tradition und Avantgarde beherrscht er sowohl das klassisch-romantische als auch das zeitgenössische Repertoire. Jan Gerdes studierte Klavier und Schlagzeug an den Musikhochschulen Hannover und Detmold bei den ProfessorInnen Kurt Bauer, Nerine Barett und Renate Kretschmar-Fischer und besuchte Meisterkurse bei weiteren namhaften Pianisten wie Anatol Ugorski, Halina Czerny-Stefanska oder Edith Picht-Axenfeld.
Eine internationale Konzerttätigkeit führte den vielfach ausgezeichneten Künstler in viele Länder Europas, nach Südamerika und Fernost. Er gastierte bei namhaften Festivals wie dem Schleswig - Holstein - Musik - Festival, der Maerzmusik Berlin, der Gaudeamuswoche Rotterdam, Festival Chiffren, den Stockhausen-Kursen, Centre Acanthes Metz, den Haller Bachtagen, Beethovenfest Bonn, dem Westfälischen Musikfest und den Ferienkursen für Neue Musik Darmstadt und trat in den großen Konzertsälen wie Berliner Konzerthaus, Kölner Philharmonie, Essener Philharmonie, Konzerthaus Wien, Freiburger Konzerthaus, Tonhalle Düsseldorf Alte Oper Frankfurt und Berliner Philharmonie auf.
Er machte CD-, Fernseh- und Rundfunkaufnahmen für den NDR, WDR, MDR, HR, RB, ORF, Deutschland Radio Berlin sowie beim Label Ambitus. 2008 erschien seine Solo-CD 'Gelände/Zeichnung' mit aktuellster zeitgenössischer Klaviermusik bei dem Label Zeitklang.